Klinische Pharmazie ist eine neue Disziplin in der Pharmazie. Seit dem Jahre 2001 ist die Klinische Pharmazie, durch die Änderung der Approbationsordnung für Apotheker, ein weiteres Prüfungsfach für das zweite Staatsexamen der Pharmazeutischen Prüfung. Die Klinische Pharmazie ist ganz besonders in Großbritannien im Gesundheitssystemfest verankert und wir zudem Leistungsgerecht honoriert. In Deutschland nimmt der Einfluss der Klinischen Pharmazie allmählich  zu.  Im Fokus der Klinischen Pharmazie steht der Patient und die Arzneimitteltherapie. Zu den Werkzeugen und Schwerpunkten der Klinischen Pharmazie gehören vor alle die Pharmazeutische Betreuung, die Steigerung der Compliance, Vermeidung Arzneimittelbezogener Probleme, die Pharmakoepidemiologie und -ökonomie, Bewertung der Arzneimittel, die Pharmakovigilanz und vieles mehr.

Noncompliance und ihre Folgen: Ein großes Problem stellen heutzutage die Arzneimittelbezogenen Probleme dar. Noncompliance ist beispielseise ein ABP. Die  Kosten die durch nicht eingenommenen oder nichtordnungsgemäß eingenommen Arzneimittel in Deutschland werden auf etwa 10 MRD € im Jahr beziffert. Unter Compliance versteht man das kooperative Verhalten und die Therapietreue des Patienten. Ursachen einer Nichtcompliance, also Noncompliance könnten sein:

  • die Angst  des Patienten vor Nebenwirkungen oder UAW
  • die schlechte Kommunikation zwischen Arzt, Apotheker und Patient
  • die Art der Erkrankung (Beispielsweise haben Hypertonie Patienten in der Regel eine schlechte Compliance, da es ihnen ja gut gehe Stichwort: Folgeerkrankungen, bei Krebs haben Patienten in der Regel eine höhere Compliance, Leidensdruck und Kampfgeist
  • ein für den Patienten zu unverständliches Komplexes Therapieschema oder Behandlung

Um die Noncompliance zu vermeiden springt hier die Pharmazeutische Betreuung ein. Sie kann gefördert werden durch das individuelle informieren des Patienten, die Motivation, Vereinfachung sowie Überwachung der Therapie und vor allem die Therapiebetreuung / Pharmazeutische Betreuung! Ein Werkzeug, bzw. ein Mittel was eingesetzt werden kann ist das SOAP Schema. Das SOAP (subjective objective assessment plan) Schema dient zur Entdeckung und Beseitigung von arzneimittelbezogenen Problemen.

  • S – Sammeln von  subjektiven Patientenangaben zu subjektive wahrgenommenen Beschwerden und Problemen) Beispiel: Patient klagt über Schmerzen an der Hüpfte.
  • O – Sammeln von objektiven Messdaten bzw. Laborergebnise, Anamese. Beispiele: renale Clearance (50 ml/min), Blutdruck Wert:  90/153mmHg
  • A  - Analyse/Assessment: hier wird aufgrund aller gesammelten Daten eine Problemanalyse durchgeführt und alle objektiven und subjektiven Daten beurteilt. Welches arzneimittelbezogene Problem liegt vor? Was ist die Ursache? Z.B.: Überdosierung, Wechselwirkung, Interaktion, Noncompliance
  • P – Der Plan und welche Maßnahmen und Möglichkeiten schlägt man aufgrund der Zugrunde liegenden Daten vor? Wie kann man die arzneimittelbezogenen Probleme lösen: Wie kann man die Compliance verbessern? Wie kann man die Medikamentenwechselwirkung beseitigen? – Medikationsumstellung?

Fallbeispiel Für SOAP Schema:

1. Fallbeispiel: Ein Patient kommt in ihre Apotheke und bittet sie um eine Dose Proteinpulver zur Nahrungsergänzung, da er in letzter Zeit viel an Gewicht verloren hätte. Er ist im Besitz einer ihrer Apothekenkarte. Sie sehen, dass er in regelmäßig folgende Medikamente bezieht: Ein Kombinationspräparat von Levodopa und Benserazid , zudem Ropinirol Schildern Sie mögliche Interaktion! Was empfehlen Sie ihm?

L-Dopa und Eiweiße haben einen ähnlichen Strukturaufbau. L-Dopa wird im Magen mit Hilfe von Transportern in die Blutbahn aufgenommen. Bei gleichzeitiger Aufnahme von eiweißreicher Kost und L-Dopa kommt es zur Auslastung der Kapazität der Transporter. Dadurch kann weniger L-Dopa aufgenommen werden. Die Folge wäre eine Wirkungsfluktuationen oder gar ein Wirkungsverlust. Tipp: Das L-Dopa sollte mindestens eine halbe Stunde vor oder 1 -2 Stunden nach dem Essen eingenommen

2. Fallbeispiel: Ein Herzinsuffizienz- Patient der Stufe NYHA III und Hypertoniker,  76 Jahre alt, 65 kg, 171 cm. Leidet unter einem Harnwegsinfekt. Die Medikation:Lisinopril 10mg ( 0 – 0 – 2)HCT 12,5 mg ( 0 – 0 – 1)Digitoxin 0,07 ( 1- 0 -0). Die Vitalparameter Kreatinin Clearance  von 19 ml/min, CRP 11 Wie beurteilen Sie die Medikation?

Die Kreatinin-Clearance ist mit einem Wert von 19ml/min zu niedrig (normal= 120ml/min, bei Älteren kann die Clearance bis zu 60ml/min fallen). Dieser Wert deutet auf eine starke Niereninsuffizienz hin. Der CRP-Wert ist auch erhöht und deutet auf den bestehenden Harnwegsinfekt hin.  Das Digitoxin wird hauptsächlich über die Leber ausgeschieden. Digitoxin ist also schon die bessere Wahl als Digoxin, welches über die Niere ausgeschieden wird. Doch das Digitoxin hat eine lange Halbwertszeit, eine TDM könnte in diesem Fall Sinnvoll sein. Das Diurektium (HCT) sollte anstatt Abends lieber morgens eingenommen werden (1-0-0), da man sonst nachts die Toilette aufsuchen muss und die Nachtruhe gestört wird. Der ACE-Hemmer wird über die Niere ausgeschieden; bei älteren mit eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Dosisreduktion notwendig sein. Zumindest könnte man die Lisinopril-Medikation auf 1-1-0 ändern. Für den Harnwegsinfekt könnte man einen Gyrase-Hemmer verordnen. Quellen: - Wikipedia Artikel - Uni Bonn Referate - Deutsche Apotheker