Augenschaden durch überdosiertes Potenzmittel

Erektionsstörungen betreffen allein in Deutschland etwa 8 Millionen Männer. Sie können sowohl in jungen Jahren, aber vor allem mit dem Älterwerden auftreten und sind eine wahre Volkskrankheit. Bei den über 60-jährigen Männern sind ein Drittel von Potenzproblemen betroffen. Bei Männern über 70 Jahren sind es bereits die Hälfte aller Männer, die unter Erektionsstörungen leiden. Als im Jahr 1998 das Potenzmittel Viagra auf den Markt kam, revolutionierte es den Umgang mit Erektiler Dysfunktion. Plötzlich gab es ein zuverlässiges, sicheres und wirkungsvolles Mittel, um das Leiden betroffener Männer zumindest für einige Stunden zu verbessern.

Doch hier beginnt auch die Problematik, die der unsachgemäße Umgang mit Medikamenten mit sich bringt. Potenzmittel sind in Deutschland rezeptpflichtig, ihr Kauf ist ausschließlich mit einem ärztlichen Rezept möglich. Durch die starke Regulierung wird Missbrauch vorgebeugt. Und dieser findet im Zeitalter des Internet täglich statt. Teilweise hat das gravierende Folgen. Patienten berichten von schwerwiegenden Nebenwirkungen. Ganz besonders besorgniserregend sind Berichte, nach denen Patienten nach der Einnahme von Sildenafil, dem aktiven Wirkstoff in Viagra, blind geworden sind.

Lassen Sie uns dem Risiko Blindheit durch Potenzmittel auf den Grund gehen. Sollte Sildenafil vom Markt genommen werden? Wie kommt es zu so gravierenden Folgen? Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man bei der Einnahme von Sildenafil treffen? Lesen Sie hier mehr.

Was ist Sildenafil?

Sildenafil ist ein Phosphodiesterase-5-Hemmer, der bei Erektionsstörungen beim Mann eingesetzt wird. Das erste Medikament, in dem der Wirkstoff zugelassen wurde, war Viagra, welches 1998 von Pfizer auf den Markt kam. Nach dem Wegfall des Patentschutzes dürfen auch andere Pharmahersteller Generika des Markenmedikaments herstellen. Potenzmittel, die Sildenafil enthalten, finden sich in jedem Land der Welt unter anderen Namen. Bekannte Mittel in Deutschland sind Sildenafil Ratiopharm, SildenafilHEXAL, Viagra und AbZ Sildenafil.

Wie wirkt Sildenafil?

Sildenafil wird etwa 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Es fungiert als Phosphodiesterase-5-Hemmer, hemmt also das Enzym Phosphodiesterase, welches dafür verantwortlich ist, eine Erektion erschlaffen zu lassen. Sildenafil verhindert den Abbau der Botenstoffe durch die Blockierung des Enzyms. Es wirkt sich außerdem positiv auf die Durchblutung im Penis und im restlichen Körper aus. Besonders hervorzuheben ist, dass Sildenafil ausschließlich dann wirkt, wenn eine sexuelle Erregung vorliegt, die im Anschluss eine Erektion auslöst. Es werden keine ungewollten Erektionen durch das Medikament ausgelöst.

Nebenwirkungen Sildenafil

Die häufigsten Nebenwirkungen von Potenzmitteln mit PDE-5-Hemmern beziehen sich auf die erhöhte Durchblutung im Körper, beispielsweise Rötung des Oberkörpers, vermehrtes Schwitzen, Kopfschmerzen. Außerdem können Verdauungsprobleme und Schwindel auftreten. Unter der Einnahme von Sildenafil kann es außerdem zu verschwommenem Sehen kommen, welches für die Betrachtung der massiven Augenschäden in diesem Artikel besonders entscheidend ist.

Augenschäden durch Sildenafil

Unter der sachgemäßen Einnahme von Sildenafil ist es bisher nicht zu Berichten von Augenschäden gekommen. Eine sachgemäße Anwendung eines Medikaments ist vor allem dann wahrscheinlich, wenn die Einnahme mit einem Arzt besprochen und von ihm abgesegnet wurde und aktiv begleitet wird. Schwieriger wird es, wenn Betroffene aus Scham oder anderen Gründen entscheiden, das Medikament eigenmächtig und aus eigenem Ermessen heraus einnehmen.

Es wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Fälle aufgezeichnet, in denen Männer einen anteiligen oder vollständigen Verlust ihrer Sehkraft beklagten. Sie schoben dies auf die Einnahme des Wirkstoffes Sildenafil. Und hatten Recht. Aber wieso kam es nicht zum weltweiten Rückruf des Medikaments?

Der Grund für die Sehschäden war eine Überdosierung des Wirkstoffs. Anstatt der Maximaldosis von 100mg innerhalb von 24 Stunden wurde das Vielfache dessen über einen längeren Zeitraum konsumiert. Durch den günstigen Online-Kauf des Medikaments war die Hemmschwelle und Risikoeinschätzung abgesunken. Eine Pille, die man einfach so im Internet kaufen kann, könne gar nicht gefährlich sein, so häufig die Einschätzung der unwissenden Geschädigten. Aus kleinen bunten Fläschchen wird unkontrolliert Schluck für Schluck getrunken. Bunte Pillen mit exotischen Geschmacksrichtungen wie Ananas oder Tropical Fruits verharmlosen das hochpotente Mittel als Bonbon. Die Folgen sind gravierend.

Ein betroffener Patient, der in die Notfallambulanz eines örtlichen Krankenhauses kam, konnte plötzlich nur noch rotstichig sehen. Das Farbsehsystem seines Auges hatte durch die übermäßige Einnahme von Sildenafil unwiderruflich Schaden erlitten. Ursache sind die gefäßerweiternden Eigenschaften des PDE-5-Hemmers. Die feine Regulierung des Blutflusses wird durch die Einnahme ausgeschaltet. Bei dauerhaftem Überkonsum werden so die feinen Kapillaren im Auge irreversibel geschädigt und die Zapfen, die für das Sehen verantwortlich sind, verkümmern.

Studie zur Sicherheit von Sildenafil belegt Unbedenklichkeit

Im Rahmen der Anschuldigungen von Betroffenen rief Lilly Pharma, Hersteller des Potenzmittels Cialis, eine Studie ins Leben, die die Unbedenklichkei von PDE-5-Hemmern hinsichtlich des Sehvermögens überprüfen sollte. 244 Männer nahmen in einem Zeitraum von sechs Monaten täglich entweder den Wirkstoff Sildenafil oder den Wirkstoff Tadalafil ein. Einige der Teilnehmer erhielten ausschließlich Placebos. Nach Abschluss der Studie konnten bei keinem der Teilnehmer Schädigungen an der Netzhaut festgestellt werden. Vorübergehendes verschwommenes Sehen, was aufgrund der erhöhten Durchblutung unter der Einnahme eines Potenzmittels wie Viagra auftreten kann, stellte sich nach Beendigung der Einnahme vollständig und rückstandslos ein.

Ebenfalls wurden von keinem der Teilnehmer Beeinträchtigungen des Augeninnendrucks oder der Licht- und Farbwahrnehmung berichtet.

Ärztliche Aufklärung ist das A und O

Die Sorgen, dass Sildenafil Augenschäden verursacht, konnte auf der Grundlage unterschiedlicher Studien nicht belegt werden. Lediglich bei einer unsachgemäßen Einnahme des Medikaments kann es zu schwerwiegenden Folgen für das Sehvermögen kommen. Dieses gilt allgemein für jedes potente Medikament, welches rezeptpflichtig oder rezeptfrei verkauft wird.

Es kann von Anwendern zu erwarten sein, dass sie sich an die Einnahmeempfehlung des Herstellers halten. Etwaige Risiken, die mit einem unsachgemäßen Gebrauch des Wirkstoffes einhergehen, liegen nicht in der Verantwortung des Herstellers. Vor einer Einnahme eines Potenzmittels sollte in jedem Fall eine ärztliche Beratung in Anspruch genommen werden. Dieses ist auch bei guten Online-Apotheken möglich.