Behandlung von Prostatakrebs oder auch Gebärmutter- und Eierstockkrebs mit Viagra

Bereits seit über 20 Jahren gibt es das Potenzmittel Viagra des Pharmaunternehmens Pfizer. Mit seiner Marktzulassung hat es alles auf den Kopf gestellt. Das erste Potenzmittel auf dem Markt, die blaue Wunderpille, wurde innerhalb weniger Wochen zum Verkaufsschlager. Von 1998 bis 2013 durfte das Medikament ausschließlich von Pfizer vertrieben werden, für die Anwender lagen die Kosten hoch. Pfizer hatte einen Verkaufsschlager an der Hand und machte mitunter über 2 Milliarden USD Umsatz mit Viagra. ´Nach dem Auslaufen des Patentschutzes konnten sich nach und nach immer mehr Hersteller am Kuchen beteiligen. Die Auswahl an Generika wurde riesig und für die Verbraucher sank der Preis. Aber hat Viagra seine besten Zeiten hinter sich? Forschungen der letzten Jahre zeigen, dass Viagra womöglich eine vielversprechende zweite Karriere voraussteht.

Anwendungsgebiete für Viagra

Wenigen ist bekannt, dass der aktive Wirkstoff Sildenafil nicht nur für die erektile Dysfunktion verwendet wird. Sildenafil findet Anwendung bei der pulmonalen Hypertonie und auch in der Behandlung von Frühchen wird der Wirkstoff eingesetzt. Studien zeigen nun, dass auch im Bereich der Krebsbehandlung eine Wirkung von Sildenafil festgestellt werden konnte. Unterschiedliche Wirkmechanismen des Stoffes konnten nachgewiesen werden.

Bereits im Jahr 2011 konnten Wissenschaftler zeigen, dass Viagra ein schwaches Immunsystem stärken kann. Versuchstiere, in diesem Fall Mäusen, die mit tödlich endendem schwarzen Hautkrebs infiziert waren, lebten unter der Gabe von Viagra doppelt so lange wie Mäuse, die den Wirkstoff nicht erhalten hatten. Dabei ist Sildenafil nicht aktiv an der Zerstörung eines Tumors beteiligt, sondern spielt eine unterstützende Rolle, in dem es das körpereigene Immunsystem umlenkt. Bei Mäusen konnte in einer weiteren Studie auch die positive Wirkung auf die Entwicklung von Darmpolypen unter Sildenafil gezeigt werden.

Viagra und Chemotherapie

Die Chemotherapie ist zusammen mit der Bestrahlung die weitläufig am häufigsten eingesetzte Behandlungsart von Krebs. Dabei ist die Chemotherapie risikobehaftet und bringt eine Reihe von schwerwiegenden Nebenwirkungen mit sich, die bis zum Tod führen können. Daher ist die Entdeckung, die Wissenschaftler während des gleichzeitigen Einsatzes des Chemotherapeutikums Doxorubicin und Sildenafil machen konnten, umso vielversprechender.

Das Mittel Doxorubicin wird seit über 50 Jahren für die Behandlung unterschiedlicher Tumore eingesetzt, darunter Eierstock- und Gebärmutterkrebs, Prostatakarzinome und auch einige Leukämiearten. Das Mittel gilt als hochwirksam und ebenso risikobehaftet. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Haarausfall, Erbrechen und der Abfall der weißen Blutkörperchen sind kurzfristig während und nach der Therapie zu erwarten. Viel besorgniserregender ist die Tatsache, dass das Medikament auch noch 15 Jahre nach Anwendung zu irreversiblen Herzschäden führen kann.

Wird Sildenafil in Kombination mit Doxorubicin angewandt, konnten Forscher belegen, dass Sildenafil nicht nur Tumore verkleinert, sondern darüber hinaus auch Herzzellen schützt. Es konnte auch belegt werden, dass bei der Anwendung bei Prostatakrebs die Kombinationstherapie dazu beiträgt, dass ausschließlich bösartige Zellen zerstört werden und gesunde unberührt bleiben. Dieses geschieht durch die erhöhte Anzahl reaktiver Sauerstoffradikale, die dazu beitragen, dass bösartige Zellen in die Apoptose, den Zelltod, geschickt werden. Die Schutzfunktion für das Herz wird durch eine künstliche Mangeldurchblutung dieses Bereichs erreicht. Darüber hinaus profitiert das Herz durch die vermehrte Ausschüttung des Botenstoffs Stickstoffmonoxid und die verbesserte Einströmung des Blutes.

Verursacht Viagra Hautkrebs?

So vielversprechend, wie sich die Wirkung von Sildenafil in der Behandlung von Prostatakrebs oder auch Gebärmutter- und Eierstockkrebs zeigt, so besorgniserregend steht es wiederrum um die Wirkung auf Hautkrebs. Sildenafil verstärkt die Wirkung auf Botenstoffe, die für Wachstumsprozesse im Körper zuständig sind. Durch die Hemmung der Phosphodiesterase 5, die auch für den Abbau des Stoffes Guanosimonophosphat (cGMP) zuständig ist, wird das körpereigene Kontrollsystem ausgeschaltet, das normalerweise dafür sorgt, dass cGMP kontinuierlich abgebaut wird. cGMP ist im Körper für erwünschte und unerwünschtes Wachstum zuständig. Stoppt Sildenafil den körpereigenen Stopp-Prozess, ist zu viel cGMP im Körper vorhanden und führt demnach auch zu einem verstärkten Wachstum unerwünschter Krebszellen.

Der Verdacht wird durch Studien an Männern mit erektiler Dysfunktion, die über einen längeren Zeitraum Viagra eingenommen haben, bestätigt. Bei ihnen konnte ein erhöhtes Risiko für bösartige Hautveränderungen (Melanome) festgestellt werden. Vermutet wird, dass Viagra das Wachstum bösartiger Melanome zwar nicht verursacht, aber das vorhandener Melanome verstärkt.

Krebsforschung für Viagra

Die vorhandenen Ergebnisse deuten auf eine vielversprechende Wirkung des Wirkstoffs Sildenafil hin. Gleichzeitig zeigen die Hautkrebsstudien auch, dass sehr vorsichtig mit Viagra als Krebsmittel umgegangen werden muss. Die positive, schützende Wirkung von Viagra kann einen wertvollen Vorteil in der kombinierten Krebstherapie darstellen, doch sollten Langzeitschäden durch den Einsatz in jedem Fall ausgeschlossen werden.