Paracetamol – das meist verwendete Schmerzmittel der Welt!

Verfasst von Katherina Groß - 2018

Paracetamol ist ein wirksames Schmerzmittel, das weltweit milliardenfach verabreicht wird und vielseitig angewendet werden kann. Die Wirkung ist noch nicht vollständig klar, doch es scheint, dass Paracetamol verschiedene Schmerzen lindert. Besonders eignet sich der Wirkstoff aber, um Kopfschmerzen, Fieber und Bauchschmerzen zu reduzieren oder zu stoppen. Paracetamol ist allgemein gut verträglich, auch wenn es aufgrund des Nebeneffekts auf die Leber in die Kritik geraten war. Die Geschichte des beliebten Schmerzmittels gibt es jetzt in der Zusammenfassung.

Entdeckung des Schmerzmittels

Paracetamol wurde erstmals 1878 von Morse synthetisiert und 1883 für den medizinischen Gebrauch eingeführt. Allerdings aufgrund falscher Interpretation der Auswirkungen auf die Gesundheit, wurde es bis in die 1950er Jahre nur spärlich eingesetzt. Als allerdings das bis dahin verwendete Analgetikum „Phenacetin“ wegen Nierentoxizität abgezogen wurde, stand plötzlich wieder Paracetamol im Fokus. Mittlerweile ist es mit Ibuprofen das am häufigsten verwendete Medikament der Welt und findet rund um den Globus Anwendung.

Es ist gut verträglich sowie ohne Rezept erhältlich. Außerdem lässt es sich allen Altersgruppen verschreiben. Laut kassenärztlicher Bundesvereinigung sowie der Arzneimittelkommission wird es als schmerzstillendes Mittel bei der Erstbehandlung für Schmerzen sowie bei degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthrose benutzt. Normalerweise gibt es keine bis wenige Wechselwirkungen und auch Nebenwirkungen sind selten. Nur bei erheblicher Überdosierung kann das Medikament zu Leberbeschwerden führen. Verabreicht wird Paracetamol oral wie rektal. Es wirkt innerhalb von 40 Minuten, maximal nach einer Stunde. Bei Fieber setzt die Wirkung in rund 2 Stunden ein. Neben seiner schmerzlindernden Wirkung wirkt Paracetamol fiebersenkend, aber nicht antientzündlich.

Die Einsatzgebiete von Paracetamol

Paracetamol wird bei der Behandlung von leichten bis hin zu mäßigen und etwas stärkeren Schmerzen eingesetzt. Es lindert die Beschwerden, kann aber deren Ursache nicht beseitigen. Der Wirkstoff ist des Weiteren ein Klassiker bei Fieber. Darüber hinaus ist Paracetamol in anderen Arzneimitteln wie Kopfschmerzmitteln oder Erkältungsmedikamenten enthalten.

Welche Effekte hat Paracetamol?

Es ist überraschend, dass nach mehr als 100 Jahren der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol noch nicht ganz klar ist. Allerdings gibt es Beweise für eine Reihe zentraler Mechanismen, darunter die Auswirkungen auf die Prostaglandinproduktion und weiter auf die Serotonin, Opioid, Stickoxid (NO) und Cannabinoid-Pfade. Vermutlich gelangt der Stoff über die Blutbahn und die Hirn-Schranke ins Gehirn. Dort hemmt Paracetamol die Bildung von Botenstoffen wie Prostaglandinen. Sie spielen bei der Schmerzentstehung und Entzündung die wichtigste Rolle. Komischerweise hat Paracetamol trotzdem wenig antientzündliche Effekte. Was die schmerzlindernde Wirkung angeht, so ist diese von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mal ist sie stärker ausgeprägt und mal nicht. Klar ist jedenfalls, dass Paracetamol die Effekte von Substanzen, die auf das Hirn einwirken, stoppt, und so Fieber senkt. Auch bei länger anhaltenden Schmerzen ist Paracetamol wirksam und sicher. Zumal Alternativen wie nichtsteroidale Antirheumatika gefährliche Nebenwirkungen haben können.

Wie sollte Paracetamol angewendet werden?

Paracetamol ist in den verschiedensten Medikamentenformen erhältlich: Unter anderem gibt es den Wirkstoff in Form von Saft, Pulver, Zäpfchen, Tabletten oder Granulat. Je nach Darreichungsart gibt es andere Empfehlungen. Deshalb sollten Patienten immer den Beipackzettel lesen, bevor sie Paracetamol einnehmen. Der Wirkstoff ist generell für alle Altersklassen, auch Säuglinge, Kinder und Schwangere zugelassen. Bei Babys und Kleinkindern darf die Dosierung natürlich nicht zu hoch ausfallen. Die Empfehlungen hängen hier vom Alter und Gewicht des Kindes ab. Wer aufgrund einer Erkältung oder Fieber Paracetamol mehrmals am Tag verwenden muss, sollte die vorgegebenen Zeitintervalle einhalten, um negative Effekte auf die Leber sowie andere Nebenwirkungen zu verhindern.

Paracetamol in der Schwangerschaft

Bei richtiger Dosierung ist die Anwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft unbedenklich. Das Präparat ist gut magenverträglich und bisher wurden bei schwangeren Frauen, die diesen Wirkstoff nahmen, keine Missbildungen oder eine Paracetamolvergiftung beobachtet. Auch kam es zu keinem Schwangerschaftsabbruch. Des Weiteren wurde klinisch bestätigt, dass es zu keinem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt kommt, wenn der Wirkstoff in den ersten 20 Wochen der Schwangerschaft eingenommen wird. Mediziner kommen sogar zu dem Schluss, dass Paracetamol aufgrund der guten Verträglichkeit das sinnvollste Medikament für schwangere Frauen ist, die Schmerzen haben, und auf jeden Fall anderen schmerzstillenden Arzneimitteln wie Ibuprofen vorzuziehen ist.

Welche Nebenwirkungen kann Paracetamol haben?

Trotz der positiven Eigenschaften des Wirkstoffs muss kurz auf die möglichen Nebenwirkungen eingegangen werden. Welche Nebenwirkungen kann das analgetische Paracetamol haben? Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln lassen sich bei diesem Arzneimittel kaum negative Effekte finden und zwar weder auf die Blutgerinnung noch auf den Magen-Darm-Trakt. Paracetamol ist, wie erwähnt, sehr gut verträglich und lässt sich deshalb auch in der Stillzeit oder während der Schwangerschaft verwenden. Allerdings ist mittlerweile bekannt, dass Paracetamol, wenn es überdosiert wird, die Leber schädigen oder sogar angreifen kann. Wer Lebererkrankungen hat, sollte deshalb andere Medikamente nutzen, sonst löst sich das Lebergewebe auf und das kann lebensgefährlich sein. Weitere Negativ-Symptome, die bei wenigen Patienten beobachtet wurden, die Paracetamol überdosiert haben, sind Erbrechen, Übelkeit, Schmerzen im Unterleib, Blässe sowie Appetitlosigkeit. Wer diese Beschwerden hat, sollte den behandelnden Arzt aufsuchen.

Wechselwirkungen bei Paracetamol?

Wie sieht es mit Wechselwirkungen aus? Kann Paracetamol Wechselwirkungen hervorrufen, wenn gleichzeitig andere Medikamente genommen werden? In der Regel gibt es keine Wechselwirkung. Ausnahme bilden Schlafmittel und Arzneimittel gegen Epilepsie sowie Leberbeschwerden.

  • Achtung: Alkohol verstärkt die Effekte von Paracetamol und zwar ganz stark auf die Leber, das gilt vor allem bei starker Alkoholabhängigkeit. Wer während einer Erkältung das Arzneimittel Paracetamol einnimmt, sollte nicht noch andere Erkältungsmittel nehmen, da diese mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls Paracetamol enthalten.

 

Stellenwert von Paracetamol in der Medizin

Wenn Paracetamol richtig angewendet wird, hat das Mittel für viele Patienten, besonders aber für nierenkranke und alte Menschen sowie Personen mit Diabetes große Vorteile, was die Verträglichkeit betrifft. Der schmerzlindernde Wirkstoff ist in den WHO-Listen als essentieller Arzneistoff für Kinder und Erwachsene gelistet.

In Deutschland ist Paracetamol rezeptfrei erhältlich, wenn es sich um die symptomatische Behandlung von leichten bis mäßigen Schmerzen sowie Fieber handelt, und zwar für die Kurzzeitgabe. Sprich, bis maximal 400 mg pro Tag über maximal vier Tage ist Paracetamol frei erhältlich. Verschreibungspflichtig ist Paracetamol mit einer höheren Dosis. Zum Beispiel werden Packungen zur oralen Anwendung mit mehr als 1.000 mg nur mit Rezept herausgegeben. Suizidgefährdete Personen können sich so nicht mit in der Apotheke erhältlichen Paracetamol umbringen.

Studien zu Paracetamol

In einer internationalen Studie wurde die Wirksamkeit von Paracetamol mit Placebo verglichen. Untersucht wurden Erwachsene mit fiebrigen Infektionen der oberen Atmungsorgane und einer erhöhten Körpertemperatur von mindestens 38,5 °C. Die Studie wurde in verschiedenen Kliniken Russlands und der Ukraine und gemäß den Leitlinien für Good Clinical Practice durchgeführt. Die Patienten wurden einmal mit 500 mg Paracetamol, einmal mit 1000 mg Paracetamol und dann einmal mit Placebo behandelt. Die Körpertemperatur wurde bis zu sechs Stunden nach der Einnahme gemessen, und zwar im halbstündigen Takt. Zudem wurden in diesem Zeitraum bei den Patienten die Symptome des Fiebers abgefragt. Die Wirksamkeit von Paracetamol ließ sich schnell nachweisen. Bei den Patienten sank die Temperatur während der Behandlung deutlich, während in der Placebogruppe nur eine kaum spürbare Verringerung des Fiebers festzustellen war. Patienten, welche die höhere Dosierung von Paracetamol erhielten, hatten durchweg eine stärkere Fieberreduktion, als Patienten mit der niedrigeren Dosierung.

Die gemessenen Temperaturdifferenzen zwischen Ausgangswert und niedrigster Temperatur während des Behandlungszeitraums waren dosisabhängig. Sie betrugen 1,7 °C für 1000 mg Paracetamol und 1,3 °C für 500 mg Paracetamol. Die Temperatur sank bereits nach rund 150 Minuten auf den niedrigeren Temperaturwert herab. Das zeigt, dass bei Fieber bereits nach zwei bis drei Stunden eine Besserung eintritt und das Fieber in dieser Zeit signifikant zurückging. Auch die begleitenden Symptome, die bei Fieber entstehen, wie Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Unwohlsein, wurden gelindert. Bei allen Patienten konnten durch die Einnahme von Paracetamol keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt werden.

Fazit: Paracetamol hilft in jedem Fall und ist sicher in der Anwendung

Die Studie zeigt, dass Paracetamol wirksam in der Anwendung ist und sowohl bei Schmerzen als bei Fieber das beste Mittel ist. Die Wirksamkeit wurde in Studien nachgewiesen. Hervorragend ist der Wirkstoff auch deshalb, weil er so gut verträglich ist, und zwar in allen Altersklassen. Wer sich bei Fieber und Fieber-ähnlichen Infektionen sowie verschiedenen Schmerzen selbst heilen will, sollte auf Paracetamol mit einer Dosierung von 500 oder 1000 mg zurückgreifen. Sowohl was die Sicherheit als auch was die Verträglichkeit angeht, ist Paracetamol perfekt. Die Wirkung wird schnell erzielt. Nur sollte darauf geachtet werden, dass es zu keiner Überdosierung kommt, da sonst die Leber Schäden nehmen kann.

Paracetamol ist ein Arzneistoff mit analgetischer Wirkung, der seit Jahrtausenden in der Anwendung ist und bis heute ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Schmerzen ist. Der Wirkstoff steht in der Regel in oraler Form zur Verfügung. Die Wirkung wird über verschiedene Angriffspunkte erzielt und Paracetamol kann deshalb ein multifaktorieller Wirkmechanismus zugesprochen werden.

 

2019 © Alle Rechte vorbehalten PharmazeaDE