Pharmazeutische Versorgung und Pflege

Übersetzt aus dem Englischen und neu aufgesetzt von Katharina Groß

 

 

Bei der pharmazeutischen Versorgung und Pflege handelt es sich um die verantwortungsvolle Bereitstellung von Arzneimitteln für die Therapie, mit dem Zweck, eindeutige Ergebnisse zu erzielen, welche die Gesundheit des Patienten verbessern und die Lebensqualität erhöhen. Diese eindeutigen Ergebnisse, die es zu erzielen gilt, sind die Heilung der Krankheit, die Eliminierung und Reduktion einer Symptomatik oder das Stoppen sowie Verlangsamen einer Krankheit. Auch umfasst die pharmazeutische Versorgung den Prozess, eine Krankheit oder Symptomatik vorzubeugen, beziehungsweise zu verhindern. Darüber hinaus handelt sich um Tätigkeiten, die ein Apotheker ausführt, um mit einem Patienten sowie Fachleuten zu kooperieren, damit eine sinnvoller Entwurf und im Folgenden eine seriöse Umsetzung und Überwachung des Therapieplans entsteht. Dieser konzentriert sich auf spezifische therapeutische Ergebnisse für den Patienten.

 

Um einen Therapieplan zu erstellen, müssen drei Hauptfunktionen erfüllt sein:

 

1. die Ermittlung potenzieller und tatsächlicher drogenbedingter Probleme

2. die Lösung tatsächlicher drogenbedingter Probleme

3. die Vorbeugung von Drogenproblemen.

 

Warum ist die pharmazeutische Versorgung so wichtig?

 

Die pharmazeutische Versorgung ist ein notwendiges Element der Gesundheitsversorgung. Sie sollte stets mit anderen Elementen verbunden werden. Pharmazeutische Versorgung ist immer zum unmittelbaren Nutzen des Patienten vorgesehen. Der Apotheker ist gegenüber dem Patienten für die Qualität der medizinischen Versorgung verantwortlich. Er kümmert sich dabei auch darum, Zugang zu hochwertigen Medikamenten zu schaffen. Die grundlegende Beziehung in der pharmazeutischen Versorgung ist der beidseitige positive Austausch, in dem der Patient dem Arzt oder dem Anbieter eines Medikamentes die Autorität verleiht und dieser den Patienten mit Kompetenzen und Engagement vorsorgt und zudem die Verantwortung übernimmt.

 

Die Medikamentenversorgung

 

Die Medikamentenversorgung steht in den weltweiten Gesundheitswesen-Systemen im Fokus. Um das bestmögliche Ergebnis mit Medikamenten zu erzielen, sollte das Hauptziel die Lebensqualität des Patienten sein. Und zwar sollte dieses Ziel allen Beteiligten, also den Betreuern, den Pflegern, den Ärzten und anderen Fachleuten wichtig sein. Ihre Fähigkeiten und Kapazitäten sind dabei zweitrangig. Oft lassen sich die Vorteile von Medikamenten bei einem Patienten nicht realisieren, (aufgrund eines Behandlungsfehlers). Schlimmer noch, sie führen durch eine unangemessene Verabreichung und Anwendung zu einer erheblichen Sterblichkeitsrate und Morbidität.

 

Medikamente werden oft:

 

• unangemessen verschrieben (Verschreibungs- Rezeptfehler),

• unangemessen geliefert (Fehler bei der Abgabe oder Verwaltung),

• unangemessen überwacht oder es kommt zu einer fehlerhaften Berichterstattung,

• oder es kommt zu einem unangemessen Patientenverhalten (Nichteinhaltung der Behandlung),

• auch die Eigenart des Patienten kann die Wirkung mindern,

• ein Mangel an medikamentöser Gesundheitskompetenz in der Öffentlichkeit ist ebenfalls ein Grund für falsche Medikation.

 

Pharmazeutische Vorsorge als Qualitätsphilosophie

 

Die pharmazeutische Vorsorge ist eine Arbeitsweise für Profis, die sich mit dem Medikationsprozess beschäftigt. Sie ist unverzichtbar, um einen Beitrag zur Verbesserung von hochwertigen und sicheren Arzneimitteln zu schaffen, die ein bestmögliches Ergebnis für den Patienten erzielen. Zudem trägt sie zur Optimierung von Medikamentenergebnissen bei und beugt Schäden sowie eine unsachgemäße Anwendung vor. Dies wird durch die Förderung der medikamentösen Gesundheitskompetenz, die Einbeziehung und Teilnahme der Patienten an ihrer Medikation sowie die angemessene Zuordnung und Übernahme von Verantwortlichkeiten innerhalb des Medikationsprozesses erzielt. Alle diese Faktoren verbessern die Lebensqualität der

Patienten sowie ihrer Familien. Sie bauen zudem Ungleichheiten im Gesundheitssystem ab und schaffen die Nutzung von neuen Ressourcen. Durch die Steigerung der Wirtschaftlichkeit der medizinischen Verwendung wird die pharmazeutische Versorgung zu einer effizienten und im Verbrauch effektiven Ressource.

 

Wissenschaftliche Definition von pharmazeutischer Versorgung

 

Laut den Definitionen von C.D. Hepler und L. M. Strand aus den Jahren 1989 und 1990, handelt es sich bei der pharmazeutischen Versorgung um die Bereitstellung einer medikamentösen Therapie zum Zweck der Erzielung eindeutiger Ergebnisse, welche die Gesundheit und Lebensqualität eines Patienten verbessern. Es geht um ein Verfahren, bei dem Apotheker und Ärzte eng mit Patienten zusammenarbeiten und beim Überwachen und Erstellen des Therapieplans helfen und auch die Beeinflussung des Medikaments auf den Patienten überprüfen. Das beinhaltet, dass der Patient in die Behandlung einbezogen wird und sein aktueller Zustand identifiziert und überprüft wird – auch was möglichen Drogenkonsum anbelangt - sodass es zu keinen unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommt. Im Jahr 2008 hat das Europäische Komitee für Pharmazeutika und Pharmaceutical Care (CD-P-PH) (Lenkungsorgan), welches von der Europäischen Direktion für die Qualität von Arzneimitteln koordiniert wird, eine Umfrage zur Gesundheitspflege und deren Schlüsselkonzepten in Auftrag gegeben. Es ging in der Umfrage darum, die Qualität der pharmazeutischen Versorgung und deren Leistung zu bewerten.

 

Die Umfrage ergab unter anderem Folgendes:

 

• Pharmazeutische Vorsorge ist eine Qualitätsphilosophie, Arbeitsweise und Methode, die für den einzelnen Patienten unverzichtbar ist und Vorteile des medizinischen Gebrauchs mit sich bringt. Sie betont die Wichtigkeit einer verantwortungsvollen Versorgung, die im Zusammenhangt mit der Logistik und Qualität der Medizin stehen.

 

• Die Patientenbeteiligung und die Kommunikation sollten verbessert werden, um bestmögliche Medikationsergebnisse sicherstellen zu können, zum Beispiel durch die Verbesserung der medikamentösen Gesundheitskompetenz.

 

• Die politischen Entscheidungsträger sollten eine angemessene Arzneimittelversorgung im Gesundheitswesen auf der politischen Tagesordnung stehen haben.

 

• Es sollten international gültige, praktische Anleitungen zur Qualität der pharmazeutischen Versorgung für Mitarbeiter des Gesundheitswesen entwickelt und verfasst werden.

 

• Aktivitäten, die von der pharmazeutischen Versorgung durchgeführt werden sowie deren Arbeitsmethoden und Philosophie sollte demonstriert werden, zum Beispiel durch ergebnisbezogene Maßnahmen, welche die Sicherheit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit bewerten.

 

• Es sollte eine Reihe von Basisindikatoren entwickelt und getestet werden, die gleichermaßen für Niedrig-, Mittel- und Industrieländer funktionieren. Die Zusammenarbeit zwischen Ländern in Bezug auf die Umsetzung von Arzneimitteln und Pflege sollte dringend empfohlen werden. Bei der Entwicklung von Indikatoren für die pharmazeutische Versorgung müssen klar definierte Aktivitäten im Gesundheitswesen ausgewählt werden, die für die meisten Länder akzeptabel sind.

 

Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse hat der Ausschuss CD-P-PH ein Tätigkeitsprogramm beaufsichtigt, dass die Entwicklung und Implementierung einer Reihe von Indikatoren umfasst, die nicht nur allgemein anwendbar sind, sondern sich spezifisch für die Umsetzung der pharmazeutischen Versorgung in Europa nutzen lassen. Diese Aktivitäten werden von einem Sachverständigenausschuss und mit Hilfe eines Netzwerks in einem Mitgliedstaat durchgeführt. Die Delegierten werden vom EDQM koordiniert.

 

In europäischen Niedrig-, Mitteleinkommens- und Industrieländern soll der Ausschuss Gesundheitsbehörden unterstützen, und zwar bei:

 

• der Evaluierung von Ergebnissen nationaler Politik im Bereich der Arzneimittelpflege,

• der Beurteilung der Leistung des gesamten Medikamentengebrauchsprozesses,

• der Überarbeitung der medizinischen Prioritäten auf nationaler Ebene durch Nutzung gemeinsamer Standards, Daten und Erfahrungen

• der Verbesserung der beruflichen Standards in Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Stellen,

• der Umsetzung des pharmazeutischen Pflegekonzept in der täglichen Praxis

• der Lieferung von standardisierten, zuverlässigen Daten, die Ergebnisse über Medikamente liefern

• der Verbesserung der Qualität von Fach- und Führungskräften,

• der Erhöhung der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von seriösen Informationen

• der Beteiligung an Entscheidungen in Bezug auf Medikamente (Pharmakotherapie) und dem Engagement für therapeutische Pläne.

 

Quelle: edqm.eu

 

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